Die Anfangserfolge können manchmal wirklich trügerisch sein. So erging es zumindest 1917 den Engländern bei Cambrai. Dort drückten sie unsere Front zehn Kilometer, mit dem ersten Panzerangriff der Kriegsgeschichte ein, und versuchten in den Tagen darauf ihren Durchbruch zu vollenden. Dazu hatten sie die Zahl ihrer Divisionen von ursprünglich acht auf fünfzehn gesteigert. Während sich aber die Engländer abstrampelten, griff sie unser General Georg von der Marwitz an den beiden Flanken an und eroberte so das verlorene Gelände wieder zurück. Entworfen hat den Schlachtplan unser General Erich Ludendorff. Die Schlacht von Cambrai kostete die Engländer 45,000 Kriegsknechte, 250 Panzer (von 480 Stück) und 150 Geschütze (von 1000 Stücke). Unsere deutschen Verluste waren mit 41,000 Mann und 140 Geschützen allerdings auch recht hoch. Im Auftrage des Reichsarchivs hat unser Geschichtsschreiber Georg Strutz das Buch „Die Tankschlacht bei Cambrai“ verfaßt und daraus hören wir nun von den Planungen für unseren Gegenstoß: http://digi.landesbibliothek.a....t/viewer/toc/AC00633
„Während der Engländer am Vormittage des 27. November wieder unterstützt von zahlreichen Tanks, gegen das Dorf Bourlon anrannte, sein Angriff durch den Bourlonwald und Fontaine-Notre-Dame, gegen die inneren Flügel der Gruppen Arras und Caudry, immer weitere Fortschritte machte, und es schien, als ob dieser Tag ihm den erstrebten Durchbruch der deutschen Front bringen sollte, fand im Hauptquartier der II. Armee eine wichtige Besprechung statt. Nach Le Cateau war der General der Infanterie Ludendorff mit einigen Offizieren der Operationsabteilung gekommen. Es waren weiter zur Stelle der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht von Bayern, mit seinem Chef des Generalstabes Generalleutnant von Kuhl, sowie der Chef des Generalstabes der benachbarten Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, Oberst Graf von der Schulenburg. Die Besprechung galt einem deutschen Gegenangriff. „Ein schneller, kräftiger Übergang zum Angriff - das blitzende Vergeltungsschwert - ist der glänzendste Punkt der Verteidigung.“ (Clausewitz) In den bisherigen Abwehrschlachten an der Westfront hatte die deutsche Führung, abgesehen von kleineren Gegenangriffen, sich stets auf die Verteidigung beschränkt und die damit verbundenen Nachteile in Kauf genommen. Zum ersten Male sollte jetzt aus der Abwehrschlacht heraus der Feind mit starken Kräften angepackt werden. Die englische Keilstellung verlockte geradezu zu einem umfassenden Gegenstoß. In seinen Kriegserinnerungen schreibt Ludendorff über den beabsichtigten Gegenangriff: „In der Theorie ist solch ein Entschluß leicht zu fassen, in der Praxis war die Ausführung im Westen unendlich schwer. Das Versammeln und Bereitstellen der Truppen zum Angriff mit der Heranbeförderung der ungeheuren Munitionsmengen kostet Zeit. Die Verteidigung frißt zudem Kraft.“ Bereits am 21. hatte die Heeresgruppe der II. Armee befohlen: „Die gestern verlorengegangenen Stellungen sind durch Gegenangriff wiederzunehmen. Hierzu sind die heranzuführenden Verstärkungen möglichst flankierend von Norden und Osten einzusetzen und demgemäß heranzuführen.“ Drei Tage später waren von der Armee nähere Weisungen ergangen. Während noch alle verfügbaren Kräfte zum Auffangen und zur Abwehr der englischen Vorstöße gebraucht wurden, die ganze Aufmerksamkeit der Führung auf die Verteidigung gerichtet war, begannen also schon die Vorbereitungen für einen großen Angriff...“

Die Tankschlacht bei Cambrai [31] (Band 31/1929) - Oö Landesbibliothek
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Die Tankschlacht bei Cambrai [31] (Band 31/1929)
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