Die erste Panzerschlacht der Kriegsgeschichte begann am heutigen Tag Anno 1917 - die Schlacht von Cambrai. Mit acht Divisionen, 480 Panzern, 400 Fliegern, 1000 Geschützen und 1500 Maschinengewehren traten die Engländer zum Angriff bei Cambrai an. Ihnen standen anfangs vier deutsche Divisionen gegenüber, die über 220 Geschütze, 270 Minenwerfer und 900 Maschinengewehre verfügten. Der massive englische Panzerangriffe durchbrach anfangs unsere Frontlinie und verschaffte den Engländern einen Geländegewinn von zehn Kilometern. Da sie ihren Erfolg aber nur mit Reiterei ausnutzen wollten, wurde diese zurückgeschlagen. Während unser Feldmarschall Paul von Hindenburg und sein Generalstabschef Erich Ludendorff umgehend einen Gegenangriff ansetzten, der am 30. November begann. Die Engländer wurden wieder zurückgeworfen und damit verwandelten sich ihre Anfangserfolge in einen großen deutschen Abwehrsieg. Die Engländer erlitten in der Schlacht einen Verlust von 45,000 Mann und 250 Panzern. Unser deutscher Verlust war mit 41,000 Mann zwar auch recht hoch, aber wir sollten nicht vergessen, daß wir es hier mit dem ersten Massenpanzerangriff der Kriegsgeschichte zu tun hatten. Worauf unsere Feldgeschütze und unser Fußvolk keinesfalls vorbereitet und ausgerüstet waren. Die schlechte Handhabung der Panzerwaffe durch die Landfeinde führte bei uns Deutschen leider zur Unterschätzung dieser neuen Waffe, weshalb weder deren Aufbau noch die Panzerabwehr mit dem nötigen Nachdruck betrieben wurde. Daher könnte man Cambrai einen Pyrrhussieg nennen... Unser Feldmarschall Paul von Hindenburg berichtet uns in seinen Denkwürdigkeiten - „Aus meinem Leben“ genannt - von der Schlacht von Cambrai: https://archive.org/details/ausmeinemleben30695gut
„Gegen Abschluß der flandrischen Schlacht entbrannte plötzlich ein wilder Kampf in einer bisher verhältnismäßig stillen Gegend. Am 20. November wurden wir bei Cambrai überraschend von den Engländern angegriffen. Sie trafen dort auf einen zwar technisch sehr stark ausgebauten, aber mit nur wenigen und kampfverbrauchten Truppen besetzten Teil der Siegfriedstellung. Mit Hilfe seiner Tanks durchbrach der Gegner unsere völlig unversehrten, mehr reihigen Hindernisse und Grabenlinien; englische Kavallerie erschien am Rande der Vorstädte von Cambrai. Der Durchbruch unserer Linien schien gegen Jahresschluß also doch noch Tatsache zu werden. Da gelang es einer vom Osten her eingetroffenen, ziemlich kampf- und transportmüden deutschen Division, die Katastrophe abzuwenden. Ja, es glückte uns nach mehrtägigen mörderischen Abwehrkämpfen am 30. November, mit rasch herangefahrenen, einigermaßen frischen Kräften den feindlichen Einbruch durch Gegenangriff in den Flanken zu fassen und die frühere Lage unter sehr schweren Verlusten des Gegners fast völlig wiederherzustellen. Nicht nur unsere dortige Armeeführung, sondern auch die Truppen und unser Eisenbahnwesen hatten eine der glänzendsten Leistungen des Krieges vollbracht. Der erste größere Angriff im Westen, seitdem mir die Leitung der deutschen Operationen übertragen war, hatte erfolgreich geendet. Ebenso stark und belebend, wie dieser Erfolg auf unsere Truppen und deren Führer wirkte, war seine Wirkung auch auf mich persönlich. Ich empfand es wie eine Befreiung von einem Druck, der mich in der ununterbrochenen Verteidigungstätigkeit auf unserer Westfront belastete. Der Erfolg unseres Gegenangriffs bedeutete für uns aber mehr als bloße Befriedigung. Die Überraschung, durch die er errungen wurde, gab uns gleichzeitig eine Lehre für die Zukunft. Mit der Schlacht von Cambrai hatte sich die englische Oberste Führung zum ersten Male freigemacht von ihrer bisherigen, ich darf wohl sagen, schematischen Kriegführung, unter deren Banne sie bisher gestanden hatte. Ein höherer operativer Geist schien diesmal zu seinem Recht gekommen zu sein. Die Fesselung unserer Hauptkräfte in Flandern und der französischen Front gegenüber war zu einem überraschenden, großen Schlag bei Cambrai ausgenutzt worden. Freilich zeigte sich die untere Führung auf englischer Seite auch diesmal den Anforderungen und der Gunst der Lage nicht gewachsen. Sie ließ sich durch das Unterlassen der Ausnutzung eines glänzenden Anfangserfolges den Sieg aus den Händen nehmen, und zwar von Kräften, die sowohl nach Zahl wie nach Verfassung den ihrigen weit unterlegen waren. Von diesem Gesichtspunkte aus verdiente der Gegner bei Cambrai den gründlichen Rückschlag. Auch seine Oberste Führung scheint versäumt zu haben, die nötigen Mittel zur unbedingten Sicherung der Durchführung und Ausnutzung des Kampfes bereitzustellen. Starke Kavalleriemassen hinter den erfolgreichen vordersten Infanteriedivisionen genügten auch diesmal nicht, die letzten, wenn auch nur noch schwachen Widerstände zu beseitigen, die für eine durchgreifende Entscheidung die freie Bahn in Flanke und Rücken des Gegners noch sperrten. Die englischen Reitergeschwader konnten auch in Verbindung mit Panzerwagen der deutschen Verteidigung gegenüber nicht den Sieg an ihre Standarten heften, für den sie sich schon wiederholt im ritterlichen Reitergeist eingesetzt hatten. Der englische Angriff bei Cambrai brachte zum ersten Male das Bild eines großen Überraschungsangriffes mit Panzerwagen. Wir kannten dieses Kampfmittel schon von der Frühjahrsoffensive her, in der es uns keinen besonderen Eindruck gemacht hatte. Die Tatsache jedoch, daß die Tanks nunmehr derartig technisch vervollkommnet waren, daß sie die meisten unserer unversehrten Gräben und Hindernisse überwanden, verfehlte eine starke Wirkung auf unsere Truppen nicht. Die Stahlkolosse wirkten weniger physisch vernichtend durch das Feuer von Maschinengewehren und leichten Geschützen, das aus ihnen sprühte, als moralisch aufreibend durch ihre verhältnismäßige Unverwundbarkeit. Der Infanterist fühlte sich den Panzerwänden gegenüber ziemlich machtlos. Durchbrachen die Maschinen die Grabenlinien, dann glaubte sich der Verteidiger im Rücken bedroht und verließ seine Stellung. Ich bezweifelte dennoch nicht, daß unsere Soldaten, obwohl sie in der Verteidigung wahrlich schon genug über sich ergehen lassen mußten, sich auch noch mit dieser neuen gegnerischen Vernichtungswaffe abfinden würden, und daß unsere Technik die Mittel zur Bekämpfung der Tanks bald und in der nötigen handlichen Form liefern würde...“

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Book from Project Gutenberg: Aus meinem Leben Library of Congress Classification: D501
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