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Kluge Fürsten holen sich große Künstler an ihren Hof, um so ihr Ansehen zu steigern und ihren Ruhm zu verewigen. So tat es auch unser Kurfürst Friedrich August III. von Sachsen und nahm daher unseres Tondichter Carl von Weber, dessen Geburtstag wir heute feiern, als Kapellmeister an seinen Hof und beauftragte ihn mit der Schaffung einer deutschen Oper. Zur Welt kam unser Carl von Weber 1786 in Eutin (bei Lübeck) und bevor er 1817 an den Dresdner Hof kam, wirkte er in Breslau und Prag. Auf stolze 308 Tondichtungen bringt er es. Die Bühnenmusik „Preciosa“ (nach Cervantes) stelle ich euch vor: https://www.youtube.com/watch?v=_PUixgw1T3U In der Lebensbeschreibung seines Sohnes Max macht sich unser Tondichter nun an sein Meisterwerk, den Freischütz: https://archive.org/details/carlmariavonwebe02webe
„Der kleine, eitle Dichter las, mit übel tönender Stimme, sein „Van Dycks Landleben“ vor, das Weber so viel lebendige, dramatische Momente zu enthalten schien, daß er ihn, nach Hause begleitend, noch beim Abschiede an sein Versprechen erinnerte, ihm einen Operntext zu schreiben, und versprach, zur „Beängelung von Stoffen“ demnächst zu ihm zu kommen. Schon wenige Tage darauf erschien Weber bei Kind. Dieser hatte, ihn erwartend, allerhand Material, Märchen von Musäus und Apel, Novellen von Benedikte Neubert, Kind und so so weiter zurecht gelegt. Man prüfte, plauderte, erwog, gegen alle Stoffe waren gerechte Bedenken zu erheben. Endlich fiel Weber das auf dem Tische liegende Apelsche „Gespensterbuch“ in die Hände. Er erinnerte sich der, mit Alexander von Dusch gemeinschaftlich 1810 in Baden begonnenen Bearbeitung des „Freiheits-Sujets“ und fragte Kind lebhaft, ob er es kenne. Dieser bejahte - Wort gab das Wort! - Wie damals in Baden begeisterten sich Dichter und Musiker gegenseitig. Je näher beleuchtet, um so herrlicher, beider Individualität entsprechender, erschien der Gegenstand - aber - Eremit und gar Satan auf der Bühne, und die - Zensur! - ? Unentschlossen schieden die. - Über Nacht kam indes Kind, der, eben so wie Weber, unablässig über dem Gegenstande zu brüten sich gedrungen fühlte, ein vom Genius der deutschen Kunst selbst eingeflößter, guter Rat. Zurückverlegung der Ereignisse in ferne Vergangenheit, Sieg der Unschuld, glückliches Ende, schienen über die Schwierigkeiten wegzuhelfen. Er eilte zu Weber, traf ihn im Theater, teilte mit, schilderte, skizzierte - Dieser billigte, befeuerte, und Kind verließ ihn, entschlossen, den Text der Oper, der „Freischütz“, zu schreiben. Weber gibt die erste Notiz davon an Caroline mit den Worten: „Dresden, 19. Februar 1817. ... Heut Abend im Theater sprach ich Friedrich Kind, den hatte ich gestern Abend so begeistert, daß er gleich heute eine Oper für mich angefangen hat. Das Sujet ist trefflich, schauerlich und interessant. Der Freischütz. Ich weiß nicht ob du die alte Volkssage kennst.“ Nach der zweiten Konferenz mit Kind wurde beschlossen, der Oper den Namen „der Probeschuß“ zu geben, obwohl der Name des „Kindes Kindes“ beiden „Vätern“ etwas „alt bärtig“ vorkam. Kind war unermüdlich, die Arbeit beschäftigte ihn unablässig, so daß Weber schon am 23. Abends den ersten Akt fertig auf seinem Tische fand. Er schreibt an Caroline noch Nachts: „... zu Hause wo ich schon den I. Akt meiner Oper fand, der recht schön ist. Das Ganze wird sehr interessant und schauerlich, endet aber natürlich glücklich. Kind hofft vielleicht in 14 Tagen fertig zu sein und dann lasse ich es gleich abschreiben und schicke dir es, damit ich höre wie dir's gefällt, worauf ich neugierig bin, denn du bist ein eigensinniger Hamster und möchtest gern was Extras für deinen Muckenkönig haben. Nun was Extras ist dies. Teuferl kommt auch darin vor, als schwarzer Jäger und Kugeln werden gegossen in der Bergschlucht um Mitternacht wo all die Gestalten vorüber rauschen. Hu! graust dich schon? - -“ Kind hielt Wort: schon am 26. sandte er den II. und am 1. März den III. Akt, so daß der Text des „Freischützen“ in genau zehn Tagen begonnen und vollendet wurde...“

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